Etwas verwundert

hocke ich an meinem Schreibtisch und merke, dass mir Vieles leichter von der Hand geht, als noch vor einem halben Jahr.
Natürlich immer noch mit der 3-Stunden-Arbeitsregel, die nicht überschritten werden darf. Aber die drei Stunden bestehen nicht mehr nur aus Angst und Bedenken, ob ich das, was ich mir vornehme, überhaupt schaffe und der Ablenkung davon.
Das fühlt sich gut an. Es ist aber auch mit konsequenten Entscheidungen verbunden, bestimmte Dinge nicht mehr zu tun.
Nicht mehr jede Verantwortungsjacke anziehen. Es ist vielleicht geil, wichtig zu sein, aber auch ziemlich anstrengend. Vor allem nichts mehr verantworten, für das andere zu faul oder zu feige sind.
Geltungsbedürftige und aufmerksamkeitssaugende Narzissten meiden. Nix gegen diesen Menschentyp, ich bin ja selbst eine Narzisse vor dem Herren. Aber wenn Leute mich als Publikum benutzen, müssen sie amüsant und soziabel sein, Kommunikationseinbahnstraßen will ich nicht mehr. Weder freiwillig, in der Freizeit, noch unfreiwillig, im Job, möchte ich, dass sich jemand an meine Lebensenergie andockt. Mittlerweile reagiere ich darauf sehr heftig. Mit „ich will hier weg!“-Panik, Magen-, Kopf- und Rückenschmerzen. Außerdem passieren mir Übersprunghandlungen, mich überkommt eine Art Tourette, wo ich Sätze sage, die ich gedacht, aber höflicherweise lieber verschwiegen hätte. Also ziehe ich mich zurück und umschiffe solche Menschen höflich, aber weiträumig.
Neuland betreten, ich bin ja immer neugierig. Das heißt, so neu sind die Sachen nicht, sie liefen schon immer nebenher. Ich fokussiere nur, sortiere aus, adaptiere und tue und mache.  Ich bin erstaunt, was ich kann und noch erstaunter, dass es Menschen gibt, die das brauchen und mich sogar dafür bezahlen möchten. Noch bin ich nicht im Gewinndruck. Das  ist ein luxuriöser, immer noch nötiger Zustand, sonst würde ich wahrscheinlich sofort wieder die Grätsche machen.

Ja. Im Jahr 3 nach dem Burnout geht es aufwärts.

Auch das noch:

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6 Gedanken zu „Etwas verwundert

  1. danke für die zeilen – als partnerin eines mannes knapp zwei jahre nach seinem zusammenbruch tun mir ihre worte sehr sehr gut und geben schlicht hoffnung.

    alles liebe ihnen!

    • er als betroffener und ich als begleitende wollen das auch gar nicht mehr wie vorher:)

      anders ist sehr gut.

  2. Verbal-Tourette. Eine schöne Vorstellung. Und so kathartisch. (Pardon, Sie wissen ja, bin gerade im Theater-Schwurbelomaten-Modus.)

    • Ich hatte das schon mal früher, wo ich fast beim Hörerauflegen dem Kunden „Sie mich auch“ gesagt hätte.

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