Die Tage nach dem Sturm

Die Virenmails gehen mit der Zeit. Gerade erhalten: Saddam Hussein alive! im Betreff, the_full_story.exe im Anhang.

Und Solveig Dommartin ist gestorben. Man soll Toten nicht noch Böses hinterherwerfen. Aber ich verstehe es nicht. Haben die Leute, die Nachrufe schreiben eine Wahrnehmungsstörung oder lügen sie elegant? Der Tagesspiegel macht heute den vorsichtigen Versuch, sie auf die mitarbeitende Lebensabschnittsbegleiterin von Wim Wenders zu reduzieren. Und das ist – brutal – ihr Platz.
Als ich Der Himmel über Berlin gesehen hatte, kam ich tief bewegt aus dem Kino, konnte mir allerdings die Frage nicht verkneifen Warum hat er die Frauenrolle so unter Niveau besetzt?. Daß die Dame seine Gefährtin war und somit ein Recht auf die weibliche Hauptrolle hatte, habe ich erst später erfahren.
Es nutzt nichts, von den Krümeln zu leben, die von den Tischen der Kunst machenden Männer fallen, ehrlich.

KKM geht es schlecht. Sie ist zum zweiten Mal aus der Reha zurück ins Krankenhaus gebracht worden. Die Knochen sind mürbe, halten die künstliche Hüfte nicht. Und mit jedem dieser Rückschläge wird es unwahrscheinlicher, daß sie in Haus und Garten zurückkehren kann. Jahrelang haben wir Szenarien im Kopf durchgespielt. Was machen wir, wenn? Und jetzt ist es da. Und das Schlimme daran ist, dass sie mit ihrem eisernen Willen daran festhält, dass alles wieder so wird wie früher.

Gestern im Senti überm Kaninchenbraten den Spiegel gelesen. Nichts weltbewegendes, ein Artikel über Poetry Slam. Dann der Satz einer alten Dame, die sich unter die Turnjackenträgerszene gemischt hatte: Ich bin 70 ich habe nur noch 15 Sommer. Das hat gesessen. Ich habe noch viel mehr Sommer. Und trotzdem frage ich mich jedes Jahr im Oktober, was ich überhaupt geschafft, ob ich meine Zeit nicht wieder nur vertan habe.

Auch das noch:

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