Der Tag

Gestern, als ich aufwachte, waren die Äste der Platane, die bis zu uns zum vierten Stock hinaufwächst, anmutig beschneit. Ich ließ den Mann lange schlafen, der wohlverdienten Urlaub hat und trieb für Stunden in der Badewanne herum. Der Graf war inzwischen aufgewacht. Wir pusselten noch ein bisschen herum, vollendeten die Fellpflege und gingen unter Schneegebritzel ins Du Bonheur zum späten Frühstück mit Törtchen und Rosé-Cremant.
Dann ging es zurück nach Hause, mit noch drei Törtchen im Karton. Es folgte ein kurzer Zwischenstopp im Blumenladen, wo wir eine Rose mit einem Ginsterzweig und einen Strauß Tulpen auswählten.
rose
Der Graf flanierte weiter in Richtung Französische Straße, ich ging nach Hause und bald darauf klingelte das Kind. Es hatte ein kleines Päckchen dabei und ich freute mich sehr über ein Buch zum Maschinenstricken.
Wir lümmelten auf dem Sofa und plauderten, mein Kleines kuschelte sich unter eine Decke.* Dann sichteten wir noch die Kleiderschätze in der Unterbettkommode und mein zu eng gewordener Lieblingshoodie und ein schwarzer Drykorn-Anzug wechselten die Besitzerin.
Inzwischen war der Graf zurückgekehrt und hatte Leonidas-Pralinen gejagt. Das goldene Kästchen fühlte sich an wie ein Kilo schwer. Das Kind ging den Freund von der Arbeit abholen und nahm zwei der drei Törtchen mit und wir teilten uns, nachdem sie gegangen war, das dritte und wurden furchtbar müde.
Also verschoben wir den Plan, die Stadt und deren Bars unsicher zu machen, wickelten uns umeinander und schlummerten ein wenig. Als wir aufwachten, war es schon spät und wir in so friedlicher Stimmung, aber furchtbar hungrig, dass wir einfach nur zum Inder in der Ackerstraße gingen, etwas Scharfes und Wärmendes aßen, zu Hause einen Wodka drauf kippten und wieder ins Bett gingen.

Das war ein guter Tag und noch besser war er, weil schon als ich in der Badewanne lag, die Glückwünsche ein kleines Pling-Pling-Konzert auf meinen Mobile Devices veranstalteten, im Du Bonheur wurde unter Nähnerds ausgeheckt, dass wir uns zur re:publica dringend zu diesen Törtchen treffen müssen, es kamen herzerwärmende Anrufe, Mails, Facebooknachrichten und sms und sogar eine Postkarte.
Und das mir, die ich mitunter mit so fetter soziokommunikativer Blindheit geschlagen bin, dass ich gut 40% der Geburtstage verpeile und bei 10% der Meinung bin, ich wäre aufdringlich, wenn ich mich jetzt auch melde. Ich schwebte auf einer Wolke von handwarmem Flausch.
Danke, ihr Herzen!
Es ist also gar nicht schlimm, 51 zu werden. Auch wenn die Falten unübersehbar sind (komisch, wenn ich in den Spiegel sehe, filtere ich die raus) und ich den dringenden Bedürfnis nachgab, den Tag klein-klein und ohne große gesellschaftliche Verpflichtungen zu begehen und man einen Geburtstag sowieso etwas schrecklich Konstruiertes ansehen kann…
Es ist gut, in dieser Welt zu sein und es ist gut zu spüren, was für ein Netz von Menschen einen hält.

Bitte um Entschuldigung für die Sentimentalität, aber das musste mal raus.

 

*Erwachsen zu sein, aber noch einen Ort zu haben, wo man mal fallen lassen kann, das ist ganz wichtig, finde ich.

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14 Gedanken zu „Der Tag

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  2. Mit etwas Verspätun, aber nicht minder herzlich: Alles Gute zum Geburtstag. Ein heiteres, sonniges, neues Lebensjahr Ihnen. Mazal tov!

  3. Nachträglich alles Gute! Ihre Texte sind toll und die Person, die sich darin ausdrückt, finde ich interessant und faszinierend.

  4. Ich hole dann nun nach, was ich gestern als zu aufdringlich verwarf:

    Alles Gute zum Geburtstag!

  5. Alle guten Wünsche für das neue Lebensjahr, so von Wasser(mann)frau zu Wasser(mann)frau.

  6. Mit geradezu erschütternder Verspätung, jedoch keineswegs weniger herzlich:
    Alles nur erdenklich Gute für Sie, werte Miz Kitty!

  7. dann hoffe ich mal dass mein 51. genauso entspannt-verschlampt werde. Der 50. war so pre-grauslich, weil alle – ausser mir – sich an dieser Zahl festgebissen haben, dass ich ihn letztendlich abgesagt habe.
    lG
    antje

    • den 49. habe ich groß gefeiert, die 50. untern tisch fallen lassen und der 51. war eine gelegenheit für den engsten kreis.
      demnächst mach ich mal wieder ne große sause.

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