Das sind doch nicht wir!

Wir haben doch gerade mal den Unicampus verlassen, hangeln nach einem Job, haben das erste richtige Geld auf dem Konto, denken über ein Kind nach und drehen doch noch mal eine Runde im Unglücklichverliebtsein…
Wir haben doch erst vorgestern unseren Vierzigsten gefeiert und hatten die Ahnung, so langsam könnte es ernst werden. Daß bestimmte Entscheidungen unser Leben längst zementiert haben. Den Frauen war es klarer. Kein Kind bleibt kein Kind in dem Alter. Die Männer zuckten mit den Jahren leicht resigniert die Schultern und verabschiedeten sich von dem Gedanken, demnächst von ihren Millionen leben zu können. Dafür waren die Goldadern doch zu dünn, an denen sie schürften.
In den letzten 10 Jahren waren dann doch merkliche äußerliche Anzeichen von Etabliertheit dazugekommen: Hier ein Haus, dort eine komplett sanierte Eigentumswohnung, die von den Kosten her auch ein Haus sein könnte, da ein rarer Sportwagen. Große Dienstwagen, die die einstigen Schrottkarren ersetzten, Kunst an der Wand und Elektronik vom Feinsten in jedem Zimmer. Ach ja und graue Haare und die ersten Zipperlein.
Bei Familie und Kindern scheiden sich die Geister. Für die einen ist der Zug eh abgefahren, die anderen wollten nie und auf keinen Fall und bekommen langsam Beklemmungen, wie sie ihr ganzes bei exzessiver Arbeit verdientes Geld verpulvern sollen bzw. wer es einst erbt, ergo mit ihnen den langen Lebensabend verbringt. Das Modell Familie ist selten und wenn dann richtig, unter drei Kindern und überanstrengter Vollzeit-Helicopter-Mom geht nichts.
LebensgefährtInnen kamen und gingen. Nichts wurde so heiß gegessen wie es gekocht wurde und so trennte man sich ob des Ungemachs, nun die lauwarme Suppe auslöffeln zu müssen, die man sich eingebrockt hatte. Daß eine tägliche lauwarme Suppe einem die Kraft erhält und Magengeschwüre verhindert, begriffen wir dann doch langsam. Die Partner kamen und gingen langsamer und schließlich blieb jemand, der es wohl lange sein wird.

Das war also der erste Fünfzigste Geburtstag im Freundeskreis.

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12 Gedanken zu „Das sind doch nicht wir!

  1. Ein „es ist zu spät“ tut lange weh, egal, bei welchem Thema. Vielleicht finden wir bisweilen doch gelegentlich den Rebellen in uns wieder, und sagen uns: „Was zu spät ist, bestimme ich!“ (Bergfest war gestern.)

    • Wnn es nicht die unabänderlichen Sachen sind, ist es immer gut, selbst zu bestimmen, wann es zu spät ist.

  2. Hm. Ich selber feiere in zwei Jahren meinen 50er – und glauben Sie mir, mit „feiern“ meine ich auch „feiern“ ! Und ich habe etliche Pläne, die ich bis dahin umgesetzt haben möchte. Mal sehen, wies weitergeht, aber freier als jetzt habe ich mich noch nie gefühlt.

    • Dann sind wir gleich alt und ir geht es ähnlich. NOch nie war meine Perspektive so frei wie jetzt.

  3. nachdem ich so ein paar patchworkfamilien überlebt habe, mich damit abgefunden habe, dass „meine“ familie nicht geklappt hat…. würde ich theoretisch dem drohenden 50igsten auch gelassen entgegegen schauen. nur leider ist gelassenheit nicht meine stärke. und das körperliche altern finde ich ist auch kein witz….
    grmpf

    • Bei mir penelt es. Mal fühle ich mich gelassen, dann wieder ganz und gar nicht. Und ich meine 50!
      Das sind doch meine Eltern, nicht ich!

  4. Nachträglich Glückwunsch!
    Ich darf Ihnen versichern, dass Sie staunen werde, welche Lebensbereiche sich erst jetzt in Gänze auftun, so zwischen 50 und 65 sollte es eigentlich erst richtig losgehen.
    Doch, doch: auch bei Ihnen ;-)
    Sehen Sie immer noch so extrem gut aus, wie auf den Fotos vom letzten Jahr? Na, also!

    • Hups, danke für die Blumen… Aber nicht ich bin 50 geworden, sonder erst die Vorhut des Freudeskreises. Die Fotos stimmen schon noch weitestgehend. Manchmal sehe ich sogar wieder jünger aus. Komische Sache.
      Ich bin sehr gespannt, was zwischen 50 und 65 so alles losgehen kann.

  5. … uuups, na dann. Glückwunsch an die Vorhut!
    wenn Sie tatsächlich noch schöner und juveniler geworden sein sollten, müssen Sie wahrscheinlich eine kleine Reitpeitsche mitführen, um sich die Jünger vom Leibe zu halten.
    Was besser wird? Tja, nach meiner Erfahrung werden Sie sinnlicher werden, zarter und bewußter und vor allem noch definierter.
    Genießen Sie dieses Jahr noch, bevor es soweit ist ;-))

    • Die Reitpeitsche hat der geschätzte Gefährte am Mann, falls ihn mal jermand übersieht ;)
      Ja und die Zukunftsausichten klingen seeehr gut!

  6. Kann es sein, dass 50 das neue 40 ist und die 40 ersetzt (zumindest bei Frauen vielleicht?) das, was früher mal die 30 war?

    Nur so ein Gedanke, der mir gekommen ist gerade…

    • Im Prinzip ja. Aber nur und ausschließlich wenn sie keine Kinder wollen. Denn damit ist mit Ende 30 auf natürlichem Wege in den meisten Fällen Schluß.

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