Böse, böse!

Seit ich in Schöneberg wohne und eine neue Telefonnummer habe, kommen bei mir Anrufe für eine Firma an, die diese Nummer wohl vorher hatte.
Mein Standardspruch „Tut mir leid, sie sind heute schon der Dritte, ich habe die Nummer dieser Firma bekommen und habe nichts mit denen zu tun“ erzeugt meistens jede Menge Fragen:
Wie kann ich die denn jetzt erreichen?
Wissen Sie die neue Nummer?
Gibt es den Laden überhaupt noch?
Diese werden von mir mit „Keine Ahnung, googeln Sie doch einfach mal!“ beantwortet.
In 70% der Falle kommt eine halbe Sekunde Schweigen, dann werden die Fragen variiert wiederholt.
Wenn ich dann noch mal auf das Internet verweise, was sicher eine Auskunft auswerfen würde, herrscht eine weitere Sekunde Schweigen und dann kommt leicht angepißt:
Ja, das könnte man tatsächlich mal machen.
Gut, dann muß ich sehen, daß ich jemand anders frage.
Da muß ich mir was überlegen.
Oder resigniertes Brummeln von wegen, so was müsse doch nicht sein, etc.
Es handelt sich bei meinen Gesprächspartnern nicht etwa um Greise, sondern Leute in meinem Alter.

Auch das noch:

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16 Gedanken zu „Böse, böse!

  1. Ja… das kriegen sogar noch viel jüngere genausogut hin… das liegt einfach an der „allgemeinen Unfähigkeittm “ ;-)

  2. Vorausgesetzt, dass es mich nervt, würde ich folgendermaßen vorgehen: ich suche die Firma selbst heraus und rufe sie an und kläre sie über den Sachverhalt auf.
    Entweder sie bedauern dies und bedanken sich, dass man sie darauf aufmerksam gemacht hat. Dann spreche ich an, dass sie vielleicht etwas in Sachen Imagewerbung und neue Telefonnummer machen sollten.
    Oder sie stellen sich dumm und meinen, dass sie nichts machen können. Dann sage ich ihnen: „OK, in Zukunft werde ich entweder sagen, dass es die Firma nicht mehr gibt oder dass sie offensichtlich in Konkurs gegangen ist, weil sie sich die Telefonnummer nicht mehr leisten konnte. Guten Tag.“
    Und das mache ich dann in Zukunft.

  3. REPLY:
    Heute habe ich tatsächlich mal recherchiert.
    Es gibt den Laden nicht mehr.

  4. Erklärt vielleicht die Art des Produktes oder der Dienstleistung diese eigentümlichen Kunden?

  5. Ich hatte das mit meiner ersten eigenen Festnetznummer – die war vorher die vom psychologischen Institut. Auch bei mir haben die AnruferInnen jedesmal hartnäckig auf Weitervermittlung und Nummernherausgabe plädiert. Es gab auch das Argument: „Aber ich habe diese Nummer bekommen!“ Ich habe mich dann irgendwann auf Putzfrau mit geringen Deutschkenntnissen ausgegeben…

  6. REPLY:
    Das war eine Handelsgesellschaft in Köpenick.
    Das ist mental gesehen die Ostversion von Spandau.

  7. REPLY:
    ja, so was ähnliches ist mir früher passiert. eine freundin der (mir unbekannten) vormieterin rief an und verstand überhaupt nicht, warum ich die neue nummer nicht wüßte. sie schrie mich sogar an, ich solle gefälligst schnell ins telefonbuch sehen, sie stünde hier in einer telefonzelle in italien.

  8. „ist da nicht der fundusverkauf der komischen oper?“
    „nein, die komische oper hat keinen fundusverkauf.“
    „also sind sie nicht der laden in der behrenstraße?“
    „nein.“
    „dann geben sie mir doch bitte die nummer.“

    „ick wüsste jern, wo meene stauden bleiben.“
    „dann müssen sie die nummer von gärtner poetschke wählen, nicht unsere.“

    „i hoab a froag zu moam buntä-abonnemong.“
    „ned bei mir. füerti.“

  9. Die erste Telefonnummer meiner Eltern war eine, die zuerst eine Frau innegehabt hatte, welche sich als Geheimprostituierte ein Zubrot verdiente. Den Rest können Sie sich denken – und nach wenigen Wochen wurde anstands- und kostenlos auf entsprechende Reklamation hin eine neue Telefonnummer ausgegeben.

  10. REPLY:
    schöne anrufe, mitten in der nacht! meine alte nachbarin (ein „fräulein“ vom alten schlag) ging deshalb nach 19 uhr nicht mehr ans telefon. ihre nummer war der eines puffs so ähnlich, daß immer wieder bedürftige interessenten bei ihr landeten.

  11. Die Telek*m hatte vor ein paar Jahren mal die Telefonnummer von Paula mit der einer Neuköllner Rentnerin gekreuzt. Nun muß man wissen, daß man sich in Paulas Freundeskreis gerne mit „Na, du durchgesch*ssene Dr*cksv*tze, in welcher Pfütze bist du heute morgen aufgewacht?“ (je heftiger, desto herzlicher) begrüßt. Die alte Dame aus Neukölln war sehr sehr froh und erleichtert, als das Mißgeschick nach nur ein paar Wochen aus der Welt geräumt wurde.

  12. REPLY:
    Unter der oben beschriebenen Nummer reifen auch eine Zeit lang geile Betrunkene an, die so schlau waren bei einer Sexhotline die Vorwahl wegzulassen….teilweise sogar sehr erheiternd ..

  13. Meine ist ähnlich dem Tropeninstitut – ständig hör ich Fragen nach notwendigen Impfschutz bei Reisen. Ich hab keinen Anrufbeantworter mehr ;-)
    Aber besser als die Firmennummer der Eltern. War früher die Nummer der Sauerstoffzentrale. Bei Notrufe kann ich verstehen, dass die Anrufer keinen Nerv zum Zuhören hatten…

  14. ich hatte einmal eine der nächstgelegenen polizeiwache sehr stark ähnelnde nummer im büro, da hab ich die leute immer gern ein wenig reden lassen. und die richtige nummer als service hinten nach geliefert;-)

  15. wenn anrufer erstmal programmiert sind. ich kann bei uns im büro 10 mal sagen, dass ich leider nicht weiter helfen kann weil der kollege x das projekt bearbeitet: das leiden christi wird mir zum elften male erzählt …

    (die gedankenstarre nimmt mit dem alter der anrufer allerdings schon etwas zu)

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