WMDEDGT Februar 2018

Frau Brüllen fragt wieder, was wir den ganzen Tag gemacht haben.

Heute war einer der Tage, an denen ich an einer Berliner Fachhochschule ein Seminar zum Thema Gehaltsverhandlung halte.
Mein Wecker klingelte um 7 Uhr, ich frühstückte Reiswaffeln mit Erdnußbutter und Himbeermarmelade. (Mein morgendlicher Joghurt fällt aus Obstmangel gerade aus. Die Biokiste ist abbestellt, weil wir freitags auf dem Dorf waren und zum Einkaufen bin ich bisher auch nicht gekommen.) Dazu trank ich drei Tassen Kaffee.
Ich malte mir Farbe ins Gesicht, machte mir eine Frisur und zog ein paar warme Hüllen über, die ich nach und nach ablegen konnte. Es ist die Zeit des Winters, in der man bei Außerhalbbeschäftigung von -5 Grad draußen zu 20 Grad drinnen wechselt, ohne sich umziehen zu können. Das habe ich noch nie gemocht.
Ich schickte dem Kind einen Gruß, sie ist in Arbeitswoche zwei nach der Elternzeit, schläft nachts kaum, weil das Enkelkind sie tagsüber vermisst und der zu Hause bleibende Papa das noch nicht ganz kompensiert (Milchbar ist Milchbar) und das Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert lange. Natürlich zuckt da mein Mutterherz.
Dann überprüfte ich noch einmal, ob ich alles dabei hatte. Einmal hatte mich tatsächlich ein leerer Laptopakku, und dazu ein vergessenes Ladekabel und ein nicht eingesteckter USB-Stick mitten im Seminar völlig scheitern lassen. Das passiert mir nicht noch mal.

Ich fuhr um 8:30 Uhr los, an den Stadtrand zu der Bildungstätte, die sich gerade überregionalen Ruhm erarbeitet hatte, indem sie ein an eine Mauer gemaltes Gedicht des Sexismus bezichtigte und tilgte. Ich zucke da immer ein bisschen. Solche Kunstverschwindeaktionen aus ideologischen Gründen kenne ich noch aus anderen Lebensabschnitten.
Die Revoluzzerx sind dort zwar sehr laut und radikal, aber in der Minderzahl. In meinem Seminar saßen ganz geerdete Menschen, die etwas wissen wollten.
Also erzählte und unterwies ich und ließ Spielszenen machen. Kurz vor 12 gab es eine Mittagspause, dann ging es weiter bis vor 16 Uhr. Wie immer seilten sich zwei oder drei Menschen vorher ab. Ich bin mittlerweile etwas mitleidlos und terminiere die Fragerunde mit den speziellen Problemen nach hinten. Einfach damit sich nicht Einzelne vorher an Auskünften bedienen, gehen und die anderen bis zum Schluss sitzen lassen.
Manchmal muss ich auch sagen: „Das weiß ich nicht.“ oder „Ihr Problem lässt sich nicht zu Ihrer Zufriedenheit lösen.“ Was sich nun in der Evaluierung unter „ging nicht auf mein spezielles Problem ein“ niederschlug. So was ärgert mich dann schon. (Aber was sollen Lehrer sagen, die täglich mit unmotivierten, auf Krawall gebürsteten Schülern zu tun haben.)
Ich machte gegen 16:30 Uhr dem Brötchengeber noch eine kurze Aufwartung. Wir plauderten etwas, es gibt eine Idee, dass ich noch ein weiteres Thema anbieten könnte, dann verabschiedete ich mich bis zum Frühsommer.

Dann machte ich den rituellen Gang zu den Billo-Läden im angrenzenden Einkaufszentrum. Dort gebe ich immer etwas von meinem Honorar für Leggings und T-Shirts aus, bei denen mir die 44 passt, weil Schmeichelgröße.
So gut geht das aber nicht mehr, Das Einkaufszentrum hat mittlerweile fast 50% Leerstand. Wahrscheinlich fährt man in die Stadt zu Primark, um mal richtig schick einzukaufen.
Zufällig war der Tag, an dem in einem Geschäft die reduzierten Sachen noch mal die Hälfte kosteten. Ich erstand eine Steppweste für die Baustelle für 5€. Das gibt zwar keine Karmapunkte, aber es gibt die Garantie, dass das Teil nicht in den Tiefen eines Kleiderschrankes verschwindet, sondern getragen wird. Eigentlich habe ich das Teil gerettet^^

Ich fuhr zurück in die Stadt und der Graf pickte mich kurz vor 18 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle auf und wir gingen ins Naan in der Oderberger Straße etwas essen. Er erzählte mir, was er den Tag über an Bauplanung gemacht hatte. Es fehlt immer noch ein Waschtisch, auch ein schöner, preiswerter, weil gebrauchter, mit Holz heizbarer Küchenofen wird noch gesucht, am liebsten ein kleiner La Nordica.
Am Donnerstag geht es wieder in Richtung Dorf, wir müssen die eine oder andere Materiallieferung noch koordinieren. Geht sie nun postlagernd nach Norden und wird in der Poststelle des Kleinstadtedeka abgeholt? Wird sie direkt ins Dorf geliefert, weil sehr schwer? Geht sie nach Berlin und der Postbote spielt wieder das „ich stelle nur noch an die Filiale zu“-Spiel mit uns?

Gegen 19 Uhr gingen wir satt nach Hause und ich legte mich zur Entspannung für anderthalb Stunden in die Badewanne.
Dann schrieb ich das hier auf. Nun ist es 22.30 Uhr.

Ich werde noch etwas an den neuen
Perlenstulpen stricken, und versuchen, das Onleihe-Hörbuch, das ich schon dreimal verlängert habe, weiterzuhören. Wenn denn die Onleihe funktioniert, „es ist ein unerwarteteter Fehler aufgetreten“ ist dort schließlich die Lieblingsfehlermeldung.

Die Links zu den anderen Blogposts stehen übrigens hier.

WMDEDGT Januar 2018

Einmal im Monat, immer am 5., fragt Frau Brüllen, was wir den ganzen Tag gemacht haben.

Mein Wecker klingelte um 7:30 Uhr und ich brauchte ein halbes Stündchen, um richtig wachzuwerden.
Ich schlurfte gegen 8 Uhr in die Küche, startete die Spülmaschine, machte mir Kaffee und Joghurt mit Birne und Banane und frühstückte erst einmal. Das erste, was ich danach tat, war, bei einem Internetversender für Spezialputzmittel anzurufen, warum ich denn seit 14 Tagen außer dem Paypal-Bescheid nichts gehört, geschweige denn geliefert bekommen hatte. Der junge Mann am Telefon war die Gelassenheit in Person. Ja, der Kanister grüne Seife mit Salmiak wäre nicht vorrätig gewesen, aber man schaue, dass man das Paket spätestens Montag auf den Weg bringe. (Wenn nicht, eskaliere ich mal ganz kurz in deren Büro, das ist hier nämlich um die Ecke. Das Lager ist leider irgendwo bei Schönefeld, da ist es dann doch nicht so kommod, die Sachen selbst abzuholen.)

Um 9 sortierte ich Wäsche, machte eine Waschmaschine fertig und probierte meine neu genähte Samt-Schlumpfhose an. Die gefiel mir so gut, dass ich sie gleich anbehielt.
Ich begann, das Wasserfallshirt aus dem gleichen Stoff zusammenzunähen, das ich mir aus meinem Shirt-Grundschnitt gebastelt hatte. Da der Schnitt meist zu groß ist, hatte ich ihn kleiner gemacht. Nur – Überraschung! – war der Nickysamt bei weitem nicht so dehnbar wie normaler Jersey. Ich hatte also arge Zweifel, ob das Teil passen würde, aber nähte erst einmal los.
Den ganzen Vormittag recherchierte parallel ich ab und zu mit dem Grafen Dinge für das kleine Haus und besprach mit ihm die nächsten Schritte.
Da es nicht unser Hauptprojekt und flächenmäßig überschaubar ist, wollen wir es weitestgehend mit Recycling-Materialien fertigmachen. Die zu recherchierenden Dinge sind Baustoffe und -teile, die woanders bei größeren Projekten übrig geblieben sind/Fehlanschaffungen waren/schnell irgendwo zurückgebaut werden sollen. Außerdem soll es eine Modulküche geben, die der Möbelschwede seit Jahren nicht mehr herstellt, weil sie so gut und solide war, daher durchforsten wir auch nach der das Internet im Trüffelschwein-Modus. (Es gibt sie noch. Aber die Preisvorstellungen der Verkäufer sind jenseits von Vernunft.)
Um 11 Uhr begannen sich unsere Gäste, ein sehr junges spanisch-polnisch-italienisches Pärchen, in den Abreisemodus zu begeben. Die beiden waren vor Verliebtheit schwer verpeilt. Um 12 hatten sie es dann auch geschafft, mit viel Gegurre und Gekicher.

Der Graf und ich machten einen Einstundeneinsatz, damit Zimmer und Bad wieder schick sind, dann hing ich Wäsche auf und ging gegen 13:30 Uhr zu REWE. Ich füllte unsere Vorräte auf, Kichererbsen, Linsen, Reis, dazu Fleisch, denn ich wollte einen Schwung Essen auf Vorrat kochen, das wir zu unseren Einsätzen in den Norden mitnehmen können. Es würde mir ersparen, am Abend vorher in der Küche zu stehen und Essen, das langsam auftaut, bringt darüber hinaus seinen eigenen Kühlschrank mit.
Auf dem Rückweg kaufte ich noch etwas bei Les Patisseries de Sebastien. Der Graf und ich tranken zu Hause einen Kaffee und aßen Vanille- und Café-Eclairs.
Dann legte ich mich gegen 14:30 Uhr für eine Stunde hin, schlief aber nicht.

Um 15:30 Uhr hängte ich wieder Wäsche auf, räumte die Spülmaschine aus und begann, einen großen Topf Curry mit Kichererbsen, Auberginen und Blumenkohl zu kochen. Nebenher bereitete ich schon das eine oder andere für gefüllte Paprikaschoten vor.
Beim Kochen dachte ich über Herrn Dr. W. nach und die deutsche Presse, die nun endlich ihren Weinstein gefunden hat. Eigentlich sollte ich dazu etwas schreiben. Attraktive Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen zuhauf, mächtige Menschen dazu, die die Puppen tanzen lassen. Mal sehen. (Wahrscheinlich ist das Thema für mich so normal, dass ich abgebrüht und zynisch wirke, wenn ich dazu etwas schreibe.)
Um 17 Uhr war das Essen fertig und der Graf und ich aßen von dem Curry, das scharf, aber noch nicht gut genug durchgezogen schmeckte. Dann war der Adventskalender dran, denn es waren einige vergessene Türchen zu leeren.

Es war kurz vor 18 Uhr, als ich an dem Shirt weitermachte und gegen 21 Uhr war ich fertig und hatte den Nähplatz wieder aufgeräumt. (Nein, ich bin nicht schnell, ich bin langsam und pingelig.) Wie vermutet, passte es nur suboptimal. Der Wasserfallausschnitt ist zu voluminös und zu tief (merke: die Brustweite teilt man zwischen dem Wasserfall und dem seitlichen Brustabnäher auf!) und das ganze Shirt sitzt ansonsten preßwurstmäßig, vor allem an den Armen. Seufz… Das braucht noch einen nächsten Versuch,  is der Schnitt paßt.

Um 21 Uhr ging ich wieder in die Küche, hatte aber so gar keine Muße mehr, weiterzukochen. Ich war einfach nur müde.

So trödelte ich etwas rum, räumte die Küche auf und nahm mir Zeit für diesen Blogpost.
Und bald geht es wohl ins Bett, wenn ich nicht schon auf dem Sofa einschlafe.

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