Wir haben doch gerade mal den Unicampus verlassen, hangeln nach einem Job, haben das erste richtige Geld auf dem Konto, denken über ein Kind nach und drehen doch noch mal eine Runde im Unglücklichverliebtsein…
Wir haben doch erst vorgestern unseren Vierzigsten gefeiert und hatten die Ahnung, so langsam könnte es ernst werden. Daß bestimmte Entscheidungen unser Leben längst zementiert haben. Den Frauen war es klarer. Kein Kind bleibt kein Kind in dem Alter. Die Männer zuckten mit den Jahren leicht resigniert die Schultern und verabschiedeten sich von dem Gedanken, demnächst von ihren Millionen leben zu können. Dafür waren die Goldadern doch zu dünn, an denen sie schürften.
In den letzten 10 Jahren waren dann doch merkliche äußerliche Anzeichen von Etabliertheit dazugekommen: Hier ein Haus, dort eine komplett sanierte Eigentumswohnung, die von den Kosten her auch ein Haus sein könnte, da ein rarer Sportwagen. Große Dienstwagen, die die einstigen Schrottkarren ersetzten, Kunst an der Wand und Elektronik vom Feinsten in jedem Zimmer. Ach ja und graue Haare und die ersten Zipperlein.
Bei Familie und Kindern scheiden sich die Geister. Für die einen ist der Zug eh abgefahren, die anderen wollten nie und auf keinen Fall und bekommen langsam Beklemmungen, wie sie ihr ganzes bei exzessiver Arbeit verdientes Geld verpulvern sollen bzw. wer es einst erbt, ergo mit ihnen den langen Lebensabend verbringt. Das Modell Familie ist selten und wenn dann richtig, unter drei Kindern und überanstrengter Vollzeit-Helicopter-Mom geht nichts.
LebensgefährtInnen kamen und gingen. Nichts wurde so heiß gegessen wie es gekocht wurde und so trennte man sich ob des Ungemachs, nun die lauwarme Suppe auslöffeln zu müssen, die man sich eingebrockt hatte. Daß eine tägliche lauwarme Suppe einem die Kraft erhält und Magengeschwüre verhindert, begriffen wir dann doch langsam. Die Partner kamen und gingen langsamer und schließlich blieb jemand, der es wohl lange sein wird.
Das war also der erste Fünfzigste Geburtstag im Freundeskreis.
