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wir werden wohl im Leben keine Freunde mehr. Irgendwie bin ich seit Jahren zu Weihnachten auf die Arschkarte abbonniert. Und manchmal wünsche ich mir, wieder nur Kind zu sein, mich am 24. zu meinen Eltern bewegen zu können und das Hirn abzuschalten für Futter und Geschenke, gute Laune inkludiert. Vorübergehende Lobotomie wäre eine Lösung.
Voriges Jahr mein Totalausfall, ok., dieses Jahr sind dann also wirklich meine Eltern dran. Das Kind und ich hatten das schon früh verabredet. Nein, ich fahre nicht in Urlaub. Ich fahre mit ihr ins Oderkaff, wir erfreuen die Eltern und die 90jährige Oma, die es vor ein paar Monaten ins Pflegeheim verschlagen hat. So weit so gut.
Wenn es da nicht einen Menschen an meiner Seite geben würde, der keine Familie mehr hat. Und nun? Bei der Ansage bleiben “um Weihnachten mußte dich alleene kümmern”? Die hatte ich vor Monaten gemacht, als alles noch im Beginn war.
Meine Eltern sind da unkompliziert. Beim Vorstell-Kaffeetrinken (leider nicht mit staubtrocken-süßfettem Frankfurter Kranz, wie es zu sein hat, aber auf jeden Fall mit üblem Filterkaffee) fragte meine Mutter mich am Rande, ob der Graf denn Weihnachten mit von der Partie wäre. Ich erstmal so “Weißnicht etc…” Mir ist der emotionale Stellenwert vom Mutter-Tochter-Package sehr bewußt und daß da oft keine Rasierklinge dazwischen, geschweige denn ein Lebensgefährte an die Seite paßt. (und mit diesem Package meine ich jetzt nicht meine Mutter und mich, sondern mich als Mutter… Merken sie was?)
Aber… Ich krieg das nicht auf die Reihe, den Mann allein zu Hause sitzen zu lassen oder wo auch immer er die Zeit verbringen kann. Ich meine, he Weihnachten? Das ist doch für die anderen immer dieses hochemotionale Ding, wo sie alle zusammenkommen und keiner allein sein muß. (Also nicht für mich, ich wandere ja lieber über die Berge und rede mit wilden Ziegen, als daß ich mich diesem Emo-Streß aussetze.)
Also frag ich den Grafen, ob er Weihnachten mitkommen will. Die Reaktion ist gräflich-verhalten positiv und ich bin mir mit dem Abstand von ein paar Tagen nicht so ganz sicher, ob er nicht einfach mir zuliebe Ja gesagt hat. Das Kind ist natürlich mit einem Knall in einer klassischen Double-Bind-Situation, keine fünf Jahre mehr alt, daß sie sich schreiend auf die Erde schmeißen kann mit “Aber du hast mir versprochen…” und irgendwie noch nicht so erwachsen, daß sie reinen Herzens und mit geradem Rücken “selbstverständlich” sagen kann. Nee, wir alle hocken eigentlich drin. Nein sagen geht nicht und entspräche nicht der Wertschätzung, die wir uns alle entgegenbringen. Und das Ja ist kein so richtiges Ja, sondern ein “ok. ich mach das für den/die anderen”. Oder sehe ich das nur so?
Normal wäre zu sagen: Hey, das ist doch Klasse. Schließlich habe ich mit dem Kind in den letzten Jahren auch bei zwei vergurkten Weihnachtsfesten bei anderen Obdach gefunden. Einmal auch so kurzfristig.

So, und ich sag das jetzt noch mal: Hey, das ist doch Klasse, wir feiern alle zusammen Weihnachten!

Erst knibbelten sie bei Spätzle und Bier.

Dann wuselten sie am Moritzplatz.

Blümerant an den Prinzessinnengärten.

Dann wuselten sie am Landwehrkanal.

Remmidemmi auf der Admiralsbrücke.

 

Vorher schon am Potsdamer Platz.

Etepetete vorm Ritz.

Weitere Infos.

Erst Tatort mit Madame Furtwängler, die sich diesmal als moderne Liebende inszenieren ließ und eine On-Off-Beziehung mit dem entsetzlich clooneyhaft mager gewordenen Bejamin Sadler vorführte. Gott, wie fürchterlich gecoacht die Frau immer rüberkommt. Und keine Frau im Film hat eine größere Oberweite als sie. Und dieses deplazierte “Sea-of-Love”-Zitat! Nein, Madame, Sie sind nicht Ellen Barkin!
Furtwängler versucht mit allen Mitteln in ihrer privaten Figurengeschichte Emotion zu erzeugen. Das Kind, der Lover, früher der verpeilte Freund und Kollege. Alles herzenswarme Requisiten, um die Frau nahbarer zu machen. Aber sie riecht immer noch dezent nach Sagrotan.

*Stutenbissigkeit off*

Dann Polizeiruf 110 aus dem Jahr 1982. Regie Richard Engel, Hauptrolle seine Frau Petra Kelling. Fernsehen war in der DDR halt eine familiäre Angelegenheit. Ich könnte jetzt viel schreben über die paternalistische Rolle des älteren Ermittlungsbeamten, die kontrastiert wurde durch einen jungen Heißsporn, den die Staatsgewalt aber immer wieder diszipliniert. Und darüber, daß der Film eigentlich um ein gigantisches Vakuum kreiste. Welche Gerechtigkeit sollte wieder hergestellt werden (Haupmotor eines Krimis)? Ging es nun um einen Raubüberfall? Dafür ist zu selten die Rede von den geklauten Sachen, die ohnehin nebenbei auftauchen. Ging es um den Täter? Der ist nach der Hälfte des Filmes tot, die Ermittlungen gehen trotzdem weiter. Man arbeitet sich an einen anderen Verdächtigen ab, der in einer archaischen Bauernehe lebt. Große Posen, die an Helmut Sakowskis “Wege übers Land” erinnern.
Eigentlich hätten die Ermittler schon fünfmal einpacken und wegfahren können. Aber dann hätte es weniger großes Drama gegeben. Und die Rückblende hätte gefehlt. Auftritt Walter Plathe in seiner vollen jugendlichen Schönheit als DDR-Posterboy. Außerdem wären uns die Taptenmuster entgangen. Das wichtigste ästhetische Merkmal dieses Filmes waren nicht seine naturbelassen entsättigten Farben (Buntfilm sagten wir damals, weil es aussah wie verschossene Polaroids) sondern die Tapeten im Hintergrund. Ich zählte knapp 20 verschiedene Taptenmuster an den Wänden. Wir hatten ja sonst nichts. Aber Tapeten, die hattenwer.