Archives for the month of: Dezember, 2011

Zugenommen oder abgenommen?
Aaaaach! Fragense nich! Aber immerhin vermutete die Verwandtschaft, daß ich mein derzeit erreichtes Lebenshöchstgewicht mindestens schon zweimal in den letzten 20 Jahren hatte, was nicht so ist. Ich lag einmal 18, einmal 10 Kilo drunter. Was heißt: Du kannst wiegen so viel wie du willst, wenn du dich fett fühlst, strahlst du es aus.

Haare länger oder kürzer?
Sehr viel länger, überschulterlang. Wo ich doch jetzt in das Alter für die frische und freche Kurzhaarfrisur komme. Aber ich war schon immer antizyklisch unterwegs.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Ohne Lesebrille geht so gut wie nichts mehr, ich fürchte, demnächst ist noch die Fernsichtbrille dran. Die Welt sieht derzeit so weichgezeichnet aus.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Dieses Jahr war eine Übung in Verzicht.

Mehr bewegt oder weniger?
Gleichbleibend wenig. Verharren war  meine wichtigste Übung.

Der hirnrissigste Plan?
Mit medikamenteninduziertem Muskelhartspann daran zu denken, daß ich am Avon-Frauenlauf teilnehmen könnte.

Die gefährlichste Unternehmung?
Ein Gaskochfeld mit Propangasflasche in einer Einzimmerwohnung mit winziger Küche zu betreiben.

Die teuerste Anschaffung?
An einem Tag einen Mantel und Schuhe für ein Date zu kaufen. Nicht bei KiK.

Das leckerste Essen?
Selbst gemacht. Spanferkelrücken in Biersoße mit Kartoffelklößen und Bayrisch Kraut.

Das beeindruckenste Buch?
Die Neutromancer-Trilogie. (ja, ich bin ein merkbefreiter Nerd.)

Der ergreifendste Film?
Es gab nicht viele Filme in diesem Jahr. Aber es war wieder mal ein Coen-Film, True Grit.

Die beste CD?
Ach, auch für neue Musik ist nicht die Zeit.

Das schönste Konzert?
Ich war nur in einem Konzert und das war Scheiße.

Der beste Sex?
Ständig.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
…mir selbst. Ganz zweckfrei und richtungslos.

Die schönste Zeit verbracht damit…?
…zu merken, daß es für nix zu spät ist im Leben.

Vorherrschendes Gefühl 2011?
“Daß ich das noch mal erleben darf!”

2011 zum ersten Mal getan?
Einen Job, um den mich viele beneiden würden, aufgegeben, als ich merkte, ich ich für schlecht bezahlten, subalternen Kompromiß nicht gemacht bin.

2011 nach langer Zeit wieder getan?
Mein Leben eng mit einem anderen verknüpft.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Es hatte alles seinen Sinn. Sogar die dreiwöchige Magen-Darm-Grippe am Anfang des Jahres.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich war in der luxuriösen Situation, bei den Dingen, die mir am Herzen lagen, niemanden überzeugen zu müssen.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Hingabe. Bedingungslos.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Dasein. Bedingungslos.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Die Anrede “Mein Mädchen!” Das hat nämlich schon mein Lieblings-Opa immer zu meiner Lieblings-Oma gesagt.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
“Laß mal das olle Ding da weg.”

2011 war mit 1 Wort…?
Neubeginn.

2007200820092010

+++Weihnachten ok.+++Kind glücklich, Mann und Eltern auch – was will ich mehr+++

+++Gutshaus Ketelshagen hat nachts Hirschbesuch im Vorgarten (watt’n Geweih!)+++

+++Kaffeetasse steht noch +++

+++Erster Winterbadeversuch nach drei Jahren, immerhin 20 Sekunden im nicht mal knietiefen Wasser +++Gelbes Ufer ist im Winter eher grau+++

+++Morgen Bädertour für den Westbesuch+++Binz, Göhren, Sellin+++

Also nicht daß ich Phillp Stölzl nicht enorm wertschätzen würde. Hat er uns doch das beste Rammstein-Video ever beschert:

Deshalb war ich vor zwei Monaten Feuer und Flamme, als ich las, daß er an der Staatsoper “Orpheus in der Unterwelt” inszeniert. Die Operette mag ich, den Musikfilm des DDR-Fernsehens halte ich nach wie vor für eine Perle unter den ollen Kamellen, also nix wie los, es gab noch Karten und ich hatte gerade die Überweisung von meinem Ausflug in die Modebranche erhalten. Ich war nebenbei auch gespannt auf das Schillertheater. Ja, ich habe in Berlin Theaterwissenschaft studiert und trotzdem keine einzige blecheimerklappernde Einar-Schleef-Inszenierung gesehen. Das einzige Mal, daß ich drin war, war vor 17 Jahren, es muß kurz nach der Schließung gewesen sein, zum Theatertreffen. Ich hatte die wirklich letzte Karte für die Ruth-Berghaus-Inszenierung “Im Dickicht der Städte” ergattert. Karge Bühne und zwei Typen mit dreckigen weißen Hemden drauf, das waren die Helden und ein paar Böse im karierten Anzug, erinnere ich noch. An das Gebäude innen kommt keine Erinnerung hoch.
Also versuchte ich mich am verregnetsten Tag des Jahres in die Abendrobe zu zwängen. Was mißlang. Zm Geburtstag vor fast 4 Jahren paßte sie noch… Shame on me. Schließlich ist das Ding von Anna Scholz, einer Designerin, die für Dicke… Aber das gute Teil ist Größe M. Das geht irgendwie noch. Also das Ersatzkleid angezogen, ich kam mir ein bißchen vor wie Liza Minelli in jüngeren übergewichtigen Zeiten, da trug sie auch so kurze weite Fummel, und die Pumps übergestreift. Es ist übrigens zu merken, wenn man auf Pumps quasi immer einen Selterkasten trägt. Es ist sch… anstrengend.
Ich gönnte uns ein Taxi, damit wir nicht schon naß eintrafen. Ok. Das ist also das Schillertheater. Innen sah es aus wie ein First-Class-DDR-Kulturhaus, nur etwas abstrakter und eleganter. Das ist ja das Schicksal der Bauten dieser Zeit, in der Deutschen Oper bekomme ich auch immer dieses DDR-Gefühl.  Das Foyer war indirekt so erleuchtet, daß es nach Tageshelle aussah. Das ist etwas komisch, wenn man Abend-Make up und Stoffe für den Abend trägt und draußen in tiefer Dunkelheit der Sturm den Schneeregen auf die Erde peitscht. Dann gings los. Die Bühne war offen, es lagen Teile herum, die aussahen wie 1:10 vergrößerte Europaletten. Dann kam ein Mann mit kariertem Anzug und hielt eine Agit-Prop-Rede. Etwas später kam eine Frau im schwarzen Mantel und braunen Rock dazu, die sich auszog. War ich in einer Zeitschleife? Oder spielen sie im Paralleluniversum im Schillertheater Nonstop karg ausgestattete Brecht-Stücke? Das Orchester begann zu spielen. Es klang nach Weill und Dessau. Ok… die Töne kannte ich, das war schon Offenbach. Allein die Orchestrierung…
Die Euro-Paletten erwiesen sich als Aufklapp-Deko im Stil von alten Kinderbüchern, das Orchester spielte hinten auf der Bühne in einer Rummelbude. Nette Idee. Stefan Kurth als Orpheus. Yep! Klasse! Der baut eine schmierige, bis in Details stimmige Figur. Eine Mischung aus Paganini und André Rieu, dekoriert mit Pizzabäcker-Akzent.
Dann Ben Becker als Aristeus. In Echtheit mit einem Sänger hört sich das so an. Ben Becker, nun ja. Ich halte ihn ja immer noch nicht für einen Schauspieler, sondern für einen großen Jungen, der so tut, als wäre er einer. Singen kann er auch nicht. So gar nicht. Das kultiviert er dann halt, wie man so sagt. Ok… blamageresistent ist er auf jeden Fall.
Gustav Peter Wöhler als Jupiter ist erwartbar super. Musikalisch gut, wenn er sich im Jazz-Bereich bewegt, das hat man ihm auch geschenkt. “Juno, you know…” heißt der Song.
Dann gibt es noch einen Permanent-Chor mit Showgirl-Qualität, ganz süß, ganz süß. Das ist überhaupt eine eklektische Mischung aus Aristocats, Dreigroschenoper und Moulin Rouge.
Die stark bearbeiteten Texte sind leider nicht so recht zu verstehen und in den Sprechszenen fehlt mir noch der Rhytmus und das Tempo. Klar läufts, wenn ein stimmiger Einfall von vorn bis hinten durchgespielt wird. Zum Beispiel wenn Pluto (Ben Becker in Gründgens’ Mephisto-Maske), die ganze Götterschaft plus Menschen zu einer Polonaise-Sightseeing-Tour durch die Hölle führt und mal kurz, zur Ablenkung von Eurydike, ins Publikum leuchten läßt und ausführt, daß dies das Berliner Publikum in ewiger Verdammnis wegen der Schließung des Schillertheaters sei. Aber ansonsten haben wir früher immer gesagt: Loch an Loch und ‘s läuft doch.
Hans-Michael Rehberg war noch ein wunderbarer Lichtblick. Eine Mischung aus einem mottenzerfressenen Hamlet in der Hölle und einem Hogwarts-Gespenst.
Die wunderbare Offenbach-Musik kommt zu kurz. Da geht einem das Herze auf, wenn der Abend mal musikalischen Drive bekommt und schon ist es wieder vorbei. Schwierig ist es auch noch. Zwei übel verpatzte Einsätze allein wahrscheinlich deshalb, weil die Sängerinnen das Orchester im Rücken haben. Und dann kam der Cancan, sie wissen schon, der Cancan, wie ihn auch das Fernsehballett tanzt.:

Keine Ahnung, ob der Etat für die Tänzerinnen nicht gereicht hat. (Ey, ick bin da Authentizitätsnazi!) Es gab Schaubudenästhetik. Eine Pappkulisse mit aufgemalte Tänzerinnen mit durchgesteckten Händen, die tanzende Beine mimten. Selbst wenn es konsequent dem Konzept entsprach. Das ist das blöde an der Konzeptkunst: Du gehst ins Museum und bewunderst die Moderne und wirst hinterher das Gefühl nicht los, du hast dir gerade Pissoirs, Filzknäuel und ollen Müll angesehen. Nö, das wars nicht.
Irgendwie kriegen sie die Kurve, die Fliegenverführung ist wunderhübsch und es gibt ganz gut Applaus, das Team ist ein sehr junges.
Aber: Am Stadttheater Frankfurt (Oder), wo ich einst der Kunst diente*, hätte ich das alles herzerfrischend gefunden. Nur Kinder, wir sind in der STAATSOPER! Also, ick weeß nicht…

 

* Ich hatte sogar ein deja vu einer Peter-Hacks-Inszenierung, die visuell dort genauso daherkam, irgendwie hat sich in den letzten 30 Jahren auf dem Theater nicht viel verändert. Es ist nur alles teurer geworden.