18.10.11

Zum Warmwerden gibt es mal wieder Tagebuch. Obwohl das schwieriger wird als früher. Mein Leben ist zum ersten Mal seit 12 Jahren nicht mehr nur mein Leben. Ich war lange nicht mehr so eng mit einem Menschen verbunden und muß eine Form finden, nicht als siamesischer Zwilling auf dieser Bühne zu stehen.
Meinen Rant von gestern lasse ich mal so stehen. Ich kaue schon noch an der Geschichte herum. Das heißt, ich bin eigentlich recht klar und habe mich von meinem Bauchgefühl leiten lassen. (Das brave kleine Mädchen in mir fragt natürlich nach, ob das jetzt wirklich lieb von mir war und die strenge Gouvernante schiebt hinterher, daß Hochmut vor dem Fall käme. )
Aber dann kommen natürlich in Gesprächen Fragen wie: „Ist das denn nicht verletzter Stolz, wie du reagierst?“ oder „Kannst du nicht einen Kompromiß anbieten?“ oder eben „Aber sei doch froh, daß…“
Einmal Ja und zweimal Nein. Nicht direkt verletzter Stolz im Sinne von „das kann man mit mir doch nicht machen … wo ich mir doch solche Mühe gegeben habe!“, aber so ein Nebensichstehen mit einem ungläubigen Lachen und dem Gedanken „Hallo?!? Für so blöd hat mich schon lange keiner mehr verkauft. Aber probieren kann mans ja mal.“
Einen Kompromiß muß ich nicht anbieten, denn der Ball liegt im anderen Feld. Außerdem fände er auf meinem Rücken statt. Ich würde mit ausgeschaltetem Hirn die Arbeit einer Berufsanfängerin erledigen und mich täglich über die Dinge ärgern, die im Argen liegenbleiben und für die ich dort eigentlich angetreten war. Zwei Monate etwas Kohle mitnehmen – ok., aber auch zwei Monate blockiert und gestreßt sein.
Froh sein, daß man gebraucht wird? Auf diese Idee können nur Frauen kommen. In meiner Situation hätte wahrscheinlich jeder Mann die Schultern gezuckt und gesagt -„Tja, ist Pech, daß sie das Geld fürs moderner werden nicht investieren will!“ und wäre seines Weges gegangen. Wußte doch schon immer, im Grunde meines Herzens bin ich ein Kerl.

Und heute? Simple Probleme. Die Entscheidung zwischen Reis mit Tofu, Kürbis, Frühlingszwiebeln und Zuckerschoten oder Pellkartoffeln und Feldsalat mit Sauce Brigitte und gebratener Hähnchenbrust.
Die geplante Joggingrunde klappt nicht, weil die offene Blase auf der Fußsohle erst heilen muß. Bettwäsche aufhängen. Die beste Berliner Bett & Breakfast-Vermittlung suchen.
An der Stromgemälde-Homepage knibbeln, damit Miranda July ordentlich draufschauen kann. Weiter im Mülltext.
Normales Leben also.

 

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2 Gedanken zu „18.10.11

  1. über den satz zum „gebrauchtwerden“ hab ich herzlich gelacht und mir dann mal direkt an meine eigene nase gepackt. daraus werde ich was lernen. danke!

  2. na, ich bin mit der nase heftig drauf gestoßen, das muß nicht sen.

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