15 – Warten auf Post aus Bielefeld

Der Graf und ich haben eine schwerwiegende amtliche Handlung vor. Was wir in unserer Blauäugigkeit nicht bedacht hatten, war, dass auch Ämter das so schwerwiegend behandeln. Ein Wust von Papieren ist nötig, selbst wenn wir in dänische Ämter ausweichen.
Ich, da ich mehr Belege meiner bürgerlichen Existenz brauche, habe mir das alles in den letzten Wochen zusammengesucht. Die Ämter lieferten prompt. Das Amt Scharmützelsee brauchte zwei Tage, das Amt im Oderkaff drei. Dann saß ich eine Stunde in Westend aufm Bürgeramt (das einzige, das in Berlin so schnell einen Termin frei hatte), schaute auf Monitore, auf denen Zahlenketten erschienen, beruhigte alte Herrschaften, die tatsächlich noch bar zahlen wollten (was hier nicht mehr geht) und hatte dann auch die richtigen Zettel mit dem richtigen Stempel in der Hand.
Gültig zu dem Zweck, zu dem wir sie verwenden wollten, 14 Tage.
Das Amt in Bielefeld aber, dass des Grafen tatsächliche Existenz bescheinigen soll, ist der Slacker in der ganzen Angelegenheit. Schwierige Sache, wo viele doch schon glauben, dass nicht einmal Bielefeld existiert.
Nach mehr als 10 Tagen Wartens rief er gestern an, wann denn die Post käme. Nun ja, sagte man, wenn sie nicht schon da sei, würde sie vor Ostern auch nicht mehr rausgeschickt. Man hätte Personalprobleme. Er könne aber gern selber vorbei kommen. Das war der Moment, wo uns die Witze, ob denn Faxe vom Mars so lange dauern, im Halse stecken blieben.
Denn es gibt ja noch einen präfinalen Amtsakt im Rathaus Mitte. Dort vergibt man keine Termine und weist schon auf der Website darauf hin, dass man nur so viel Wartemarken ausgäbe, wie man abarbeiten könne. Den wiederum kann man nur wahrnehmen, wenn Bielefeld die Datenübertragung aus dem Orbit erfolgreich abgeschlossen hat.
Das Amt in Mitte kann dann nach Sichtung der vollständigen Papiere den Bescheid, dass alles ok. ist, an das andere Berliner Amt sogar elektronisch weitergeben (woa!) damit wir endlich, endlich den finalen Termin, den wir schon mal vorsichtig abgekaspert hatten, buchen können.
Aber: Bis dahin ist dann der Beleg aus dem Bürgeramt Westend, der nur 14 Tage gilt, wieder abgelaufen und das Papier steht wieder auf Los: Bürgeramt finden, das einen freien Termin hat, hinhocken, zwei Zettel mit zwei Stempeln nach Sichtung der Personalausweise und der Datenbank gegen zehn Euro Gebühr mitnehmen…

So was nennt sich dann „ganz unaufwändig und in kleinem Kreise“. Fick dich, deutsche Bürokratie.
(Und das ist noch die vereinfachte Prozedur, weil wir beide Deutsche sind…)

Auch das noch:

4 Gedanken zu „15 – Warten auf Post aus Bielefeld

    • Danke! Schlimmeres kreatives Chaos kanns ja nicht geben.

  1. Oha! Und ich hatte gedacht, das sei inzwischen alles einfacher. Dabei hatten wir vor 17 Jahren zwar noch Zeugen und Aufgebot gebraucht, doch ansonsten nur die Kopie des Geburtstortstandesamts aus dem Familienstammbuch (bei mir mit der klitzekleinen Komplikation, dass darin kein Familienname festgelegt war, deshalb dann doch Geburtsurkunde).

    • Ja, beim ersten Mal vor 28 Jahren, war ja noch DDR, sind wir auch nur mit dem Familienstammbuch und dem Personalausweis aufs Amt getrabt, mehr nicht.

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